Pneumokokken Impfung

Datum der letzten Aktualisierung: 24.03.2020

Inhalt

1. Zusammenfassung

2. Pneumokokken - Erreger, Übertragung und Krankheitsverlauf

3. Pneumokokken Impfung - Indikationen

4. Impfprogramme und Impfschema

5. FAQs - Häufig gestellte Fragen zu Pneumokokken

Zusammenfassung

Pneumokokken sind Bakterien die nicht immer zu Krankheitssymptomen führen müssen. Sie besiedeln den Nasen-Rachen-Raum und werden durch Tröpfcheninfektion (Niesen, Sprechen, Husten) übertragen. Gefährlich wird eine Infektion vor allem für Säuglinge, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen über 60 Jahre. Eine Ansteckung mit Pneumokokken kann zu einer Blutvergiftung, Gehirnhautentzündung (Meningitis), Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung führen. Vor allem bei Kindern unter zwei Jahren ist die häufigste Ursache für eine bakterielle Hirnhautentzündung eine Infektion mit Pneumokokken. In bestimmten Fällen kann diese auch tödlich sein, oder zumindest zu schweren bleibenden Schäden führen.
Überträger dieser Infektion sind sowohl erkrankte, als auch gesunde Personen, die die Keime in sich tragen, ohne es zu merken.
Aufgrund der weltweiten Verbreitung von Pneumokokken, wird eine Impfung für alle Kinder empfohlen.



Pneumokokken - Erreger, Übertragung und Krankheitsverlauf

Erreger und Übertragung

Pneumokokken sind Bakterien der Gattung Streptococcus pneumoniae, die sich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln können, allerdings nicht zwangsläufig zu Krankheitssymptomen führen müssen.
Sie werden durch Sprechen, Husten oder Niesen sowohl durch erkrankte, als auch gesunde, aber infizierte Personen, übertragen.
Manche der unterschiedlichen Pneumokokken-Stämme treten vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern, andere hauptsächlich bei größeren Kindern und Erwachsenen auf.
Gefährlich ist eine Infektion mit Pneumokokken vor allem für Menschen, deren Immunsystem sowieso schon geschwächt ist. Besondere Vorsicht gilt für Säuglinge, Kleinkinder, chronisch Kranke und Personen die älter als 60 Jahre sind.

Krankheitsverlauf

Eine Infektion mit Pneumokokken kann mehrere unterschiedliche Krankheiten auslösen:
Lungenentzündung:
Beginnend mit hohem Fieber, Husten und Atemnot können sich die Bakterien im ganzen Körper verbreiten. In manchen Fällen verläuft eine Lungenentzündung so schnell, dass selbst eine sofortige Behandlung mit Antibiotika den tödlichen Ausgang der Krankheit nicht mehr abwenden kann.
Akute Mittelohrentzündung:
Diese vom Ohr ausgehende Entzündung kann schwere Folgen, wie eine eitrige Hirnhautentzündung oder den Verschluss (Thrombose) von wichtigen Hirngefäßen haben.
Eitrige Hirnhautentzündung:
Hierbei kann es, neben hohem Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue und Nackensteifigkeit, auch zu Bewusstseinsstörungen, Desorientiertet, Krämpfen bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit und zum Tod kommen. Kinder haben oft nicht so bezeichnende Symptome, was dazu führen kann, dass man eine Beteiligung des Gehirns meist nur sehr schwer erkennt. Auch dauerhafte Langzeitschäden wie Taubheit, Gehirnschäden oder Lähmungen können immer wieder vorkommen.

Verbreitung

Aufgrund der weltweiten Verbreitung und der Schwere und Häufigkeit von Erkrankungen durch Pneumokokken, ist dies eine bedeutende Infektionskrankheit. Jährlich sterben weltweit in etwa 1 Million Kinder an den Folgen einer Pneumokokken-Lungenentzündung.



Pneumokokken Impfung - Indikationen

Eine Impfung gegen Pneumokokken kann das Risiko einer Erkrankung mit möglichen Komplikationen um bis zu 90 % reduzieren.
Grundsätzlich wird diese Impfung bei allen Kindern empfohlen. Besonders wichtig ist eine Immunisierung für Kinder mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, mit chronischen Krankheiten, oder für Kinder mit fehlender Milz, oder beeinträchtigter Milzfunktion.
Auch für Erwachsene wird eine Impfung gegen Pneumokokken ab dem vollendeten 50. Lebensjahr empfohlen. Denn auch hier steigt das Risiko einer schweren Pnemokokken-Erkrankung wieder deutlich an.
Für folgende Personen besteht grundsätzlich ein hohes Risiko bei einer Pneumokokken-Infektion. Eine Impfung ist empfehlenswert bei:
  • Funktioneller oder anatomischer Asplenie
  • Angeborenen oder erworbenen Immundefekten
  • Cochlea-Implantant oder Liquorfistel
  • Chronischen Krankheiten (Krankheiten der blutbildenden Organe, Lungenkarzinomen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krankheiten der Atmungsorgane, Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen, Leberzirrhose, chronische Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom)
  • Krebs
  • Frühgeborenen und Kindern mit Gedeihstörungen
  • Kindern mit neurologischen Krankheiten (Zerebralparesen oder Anfallsleiden)
  • Personen mit Liquorverlust durch beispielsweise Trauma oder Schädelchirurgie
  • Zöliakie
  • Personen die aus beruflichen Gründen Metallrauch ausgesetzt sind (Schweißen, Metalltrennen)



Impfprogramme und Impfschema

Kostenfreies Impfprogramm
Kinderimpfung - Österreich:
In Österreich ist eine Impfung für Kinder bis zum 2. vollendeten Lebensjahr im kostenfreien Impfprogramm inkludiert. Es wird nach dem 2+1 Schema im 3., 5. und 12.-14. Lebensmonat geimpft. Das gilt auch für Kinder aus der oben angeführten Risikogruppe. Die kostenfreie Impfung ist für diese Kinder allerdings bis zum 5. Lebensjahr möglich.
Kinderimpfung - Deutschland:
In Deutschland werden bei Säuglingen, bis zum Alter von 12 Monaten, zwei Impfstoffdosen, ab dem Alter von 2 Monaten im Abstand von 8 Wochen verabreicht. Frühgeborene hingegen bekommen ab dem chronologischen Alter von 2 Monaten, 3 Impfstoffdosen, mit einem Abstand von jeweils vier Wochen. Abgeschlossen wird diese Grundimmunisierung mit einer letzten Dosis im Alter von 11-14 Monaten und mit einem sechsmonatigen Mindestabstand zur vorher durchgeführten Impfung. Die Impfung wird von den Krankenkassen übernommen, ist also für Säuglinge kostenlos.
Kinderimpfung - Schweiz:
In der Schweiz empfiehlt man eine Basisimpfung für alle Kinder unter 5 Jahren. Sie wird für Säuglinge ohne Risikofaktoren mit Hilfe von drei Impfdosen im Alter von 2, 4, und 12 Monaten durchgeführt. Die Kosten werden durch die obligatorische Grundversicherung übernommen.
Erwachsenenimpfung - Österreich
Eine Impfung von Erwachsenen wird in Österreich für die drei folgenden Gruppen empfohlen:
  • Gesunde Erwachsene ab dem 60. Lebensjahr
  • Personen mit erhöhtem Risiko ab dem 51. Lebensjahr: Rauchen, Alkoholabsusus, Hypertonie, Atherosklerose, subchronische Bronchitis etc.
  • Personen mit erhöhtem Risiko und entsprechender Indikation (siehe oben)
In Österreich ist bei Personen ohne erhöhtem Risiko und einer Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter eine Auffrischungsimpfung bis zum vollendeten 50. Lebensjahr nicht notwendig. Ab diesem Alter wird allerdings eine Impfung empfohlen, da das Risiko einer Erkrankung ab diesem Zeitpunkt deutlich ansteigt. Auch Personen mit erhöhtem Risiko (siehe den Punkt Indikation oben) wird eine Impfung im Erwachsenenalter empfohlen.
Bei einer Impfung von Erwachsenen werden in einem einjährigen Abstand zwei verschiedene Impfstoffe verabreicht. Der behandelnde Arzt entscheidet schließlich, ob eine weitere Auffrischung erforderlich wird.
Ob die Kosten einer Impfung im Erwachsenenalter übernommen werden, muss mit dem jeweiligen Sozialversicherungsträger abgeklärt werden.
Erwachsenenimpfung - Deutschland
In Deutschland wird eine einmalige Standardimpfung für Personen die älter als 60 Jahre sind, sowie für Personen mit bestimmten Risikofaktoren (siehe oben) empfohlen.
Wiederholungsimpfungen werden grundsätzlich alle 6 Jahre, vor allem für Risikogruppen, empfohlen. Bei gesunden Erwachsenen, ist die Notwendigkeit einer wiederholten Impfung individuell zu überprüfen.
Erwachsenenimpfung - Schweiz
Auch in der Schweiz wird grundsätzlich empfohlen, alle Personen, die bestimmten Risikogruppen (siehe oben) angehören, und generell Menschen ab dem Alter von 65 Jahren, mit einer einzigen Dosis zu impfen. Auffrischungsimpfungen werden aufgrund der aktuellen Daten nicht empfohlen.

Impfschema in Deutschland

1. Lebensjahr:

Grundimmunisierung 2 Impfdosen

  1. Dosis ab 2 Monaten

  2. Dosis im Abstand von 8 Wochen

Erwachsene: ab 60 Jahren und Risikogruppen

Einmalige Impfdosis, Wiederholungsimpfungen alle 6 Jahre, bei gesunden Erwachsenen nur bei Bedarf

Kosten der Impfung:

Die Grundimmunisierung ist im kostenfreien Impfprogramm für Säuglinge enthalten. Kosten für Impfungen im Erwachsenenalter müssen individuell abgeklärt werden.

Impfschema in Österreich

1. Lebensjahr:

Grundimmunisierung 3 Impfdosen

  1. Dosis mit 3 Monaten

  2. Dosis mit 5 Monaten

  3. Dosis mit 12 bis 14 Monaten

Erwachsene: ab 60 Jahren und Risikogruppen

2 Impfdosen im Abstand von 1 Jahr

Kosten der Impfung:

Die Grundimmunisierung ist im kostenfreien Kinder Impfprogramm für Österreich enthalten. Kosten für Impfungen im Erwachsenenalter müssen individuell abgeklärt werden.

Impfschema in der Schweiz

1. Lebensjahr:

Grundimmunisierung 3 Impfdosen

  1. Dosis mit 2 Monaten

  2. Dosis mit 4 Monaten

  3. Dosis mit 12 Monaten

Erwachsene: ab 60 Jahren und Risikogruppen

Einmalige Impfdosis

Kosten der Impfung:

Die Grundimmunisierung wird von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. Kosten für Impfungen im Erwachsenenalter müssen individuell abgeklärt werden.

FAQs - Häufig gestellte Fragen zur Pneumokokken Impfung

  • Wie kann man sich mit Pneumokokken anstecken?

    Pneumokokken siedeln sich im Nasen-Rachen-Raum an, müssen aber nicht zwangsläufig zu Krankheitssymptomen führen.

    Die Bakterien werden durch Sprechen, Husten oder Niesen sowohl durch erkrankte, als auch gesunde bereits infizierte Personen übertragen.

  • Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

    Grundsätzlich wird empfohlen, bei jedem, bereits im Säuglingsalter eine Immunisierung durchzuführen. Für Erwachsene gilt, dass sich Personen ab dem 60. Lebensjahr und Menschen aus Risikogruppen (mit bestimmten Vorerkrankungen) ebenfalls impfen lassen sollten.

  • Wieviel kostet eine Pneumokokken-Impfung?

    Die Grundimmunisierung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit keinen Kosten verbunden. Die Kosten einer Impfung im Erwachsenenalter hingegen, müssen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den jeweiligen Versicherungsträgern abgeklärt werden.

Quellen

  • Gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreich https://www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/impfungen/pneumokokken (23.03.2020)

  • Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Uebertragbare-Krankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Pneumokokken.html (23.03.2020)

  • Bundesamt für Gesundheit BAG https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/pneumokokken-erkrankungen.html (23.03.2020)

  • Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen/Impfplan-Österreich.html (23.03.2020)

  • Robert Koch Institut, rki.de https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2019/Ausgaben/34_19.pdf?__blob=publicationFile (23.03.2020)

  • Impfkalender deutsch.pdf, Robert Koch Institut https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Downloads-Impfkalender/Impfkalender_Deutsch.pdf?__blob=publicationFile (23.03.2020)

  • Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen/Impfplan-Österreich.html (23.03.2020)

  • Bundesamt für Gesundheit BAG https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/gesundheitsfoerderung-und-praevention/impfungen-prophylaxe/schweizerischer-impfplan.html (23.03.2020)



Verfassungsdatum: 24.03.2020
Letzte Aktualisierung: 24.03.2020

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