Tollwut (Reiseimpfung)

Datum der letzten Aktualisierung: 17.05.2020

Inhalt

1. Zusammenfassung

2. Tollwut - Erreger, Übertragung und Krankheitsverlauf

3. Tollwut Impfung - Indikationen

4. Impfprogramme und Impfschema

5. FAQs - Häufig gestellte Fragen zur Tollwut Impfung

Zusammenfassung

Als eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, ist Tollwut sowohl für Mensch als auch für Tier eine der gefährlichsten Krankheiten weltweit. Ausgelöst durch einen Biss oder den Speichel eines infizierten Tieres, wird der Rabiesvirus übertragen, wandert in die Nervenzellen und dann in Richtung Rückenmark und Gehirn. Diese Krankheit kostet laut WHO etwa 55.000 Menschen jährlich das Leben.
Übertragen wird die Tollwut in fast allen Fällen durch Hundebisse. Aber auch Katzen können Überträger sein. Wie lange es dauert bis die ersten Krankheitszeichen nach einem Biss auftreten, hängt von der Position der Bissstelle ab. Normalerweise führt eine Erkrankung innerhalb von zwei Wochen zum Tod. Es steht keine ursächliche Behandlung zur Verfügung.
Da weltweit noch immer zahlreiche Länder von der Tollwut betroffen sind, ist die Krankheit vor allem für Reisende relevant. Neben Österreich, der Schweiz und Deutschland sind auch einige andere Länder Europas offiziell tollwutfrei. Zu den Risikogebieten zählen beispielsweise Teile Afrikas und Asiens.
Als Vorbeugung steht eine Impfung zur Verfügung. Diese ist vor allem für Reisende in Länder mit Tollwutrisiko, Tierfreunde und auch beruflich gefährdete Menschen empfohlen.



Tollwut - Erreger, Übertragung und Krankheitsverlauf

Erreger und Übertragung

Ausgelöst wird die Tollwut (Zoonose) durch das Rabiesvirus, welches von angesteckten Tieren, durch einen Biss, mit Hilfe des Speichels auf den Menschen übertragen wird. In manchen Fällen dienen auch unverletzte Schleimhäute (Auge, Nase, Mund) und Schürfwunden, die mit dem infizierten Speichel in Berührung kommen, als Übertragungsmöglichkeit. In fast 100 % der Fälle wird die Tollwut durch Hundebisse übertragen, manchmal auch durch Katzen. Vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten sind streunende Hunde die hauptsächlichen Träger des Virus. Weitere Tiere in Europa, die das Virus in sich tragen können sind wild lebende Tiere wie Füchse, Dachse, Marder, Rehe, aber auch Weidetiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde), Katzen, Nagetiere (z.B. Eichhörnchen, Ratten, Mäuse) und Fledermäuse. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Transplantationen vor.

Krankheitsverlauf

Vom Biss bis hin zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen, kann unterschiedlich viel Zeit vergehen. Man kann in der Regel von drei bis acht Wochen ausgehen. Die Position der Bissstelle ist dabei entscheidend. Je weiter sie vom zentralen Nervensystem entfernt ist, umso länger dauert es, bis sich erste Krankheitszeichen zeigen. Im Durchschnitt kann davon ausgegangen werden, dass die Krankheit innerhalb von 14 Tagen in so gut wie allen Fällen tödlich endet.
Ein typischer Krankheitsverlauf teilt sich in drei Stadien:
Prodromalstadium: Dieses Stadium ist geprägt von unspezifischen Symptomen wie Schmerzen, Jucken, oder Missempfindungen im Bereich der Bisswunde. Weiters können Appetitlosigkeit und Fieber dazukommen.
Exzitationsstadium: Hierbei kommt es bei 80% der Patienten zu Verwirrtheit, Rastlosigkeit, einer Abwechslung von aggressivem Verhalten mit bewusstseinsklaren Phasen, Fieber, erhöhtem Speichelfluss, Schwitzen, Muskelzucken, erweiterten Pupillen und Gänsehaut. Auch eine ausgeprägte Hydrophobie (Angst vor Wasser), sowie Aerophobie (Angst vor Zugluft) kann sich zusätzlich zeigen. Von Krampfanfällen, bis zum Auftreten von schlaffen Paresen, kommt es schließlich zum Koma und Multiorganversagen, sprich zum Tod.
Paralysestadium: Bei dieser Form der Tollwut kommt es in zirka 20 % der Fälle zur sogenannten “stillen Wut”. Dabei treten schon sehr früh schlaffe Lähmungen, Schmerzen, Schwierigkeiten beim Schlucken, Gefühlsstörungen und Störungen des vegetativen Nervensystems (Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Verdauung) auf. Durch die Lähmung der Atemmuskulatur tritt letztlich der Tod ein.

Verbreitung

Obwohl die Tollwut bereits in vielen Ländern als ausgerottet gilt, gibt es weltweit durchaus einige Gebiete, in denen sie noch stark verbreitet ist. Deshalb stellt eine mögliche Erkrankung, vor allem für Reisende, ein ernstzunehmendes Problem dar. Aber auch eine Ansteckung durch den Biss von illegal importierten Tieren (Hunden) aus Tollwut -Endemiegebieten, birgt ein zwar geringes, aber dennoch mögliches Ansteckungsrisiko.
Ungeachtet der Ausrottung von erdgebundener (terrestrischer) Tollwut in einigen Ländern, konnte auch eine Übertragung durch Fledermäuse nachgewiesen werden.
Durch Maßnahmen, wie die orale Immunisierung von Füchsen, sind in Europa Länder wie Österreich, Deutschland, die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Slowenien, als auch die Tschechische Republik laut WHO offiziell tollwutfrei. Dies gilt auch für Spanien, Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder. Wenige Einzelfälle hat man in den letzten Jahren in Polen, der Slowakei, Ungarn, Estland, Litauen und Lettland entdeckt. Für alle anderen europäischen Länder gilt, dass die Tollwut ein reelles Problem, bei Wild- und Haustieren bleibt.
Von der Tollwut besonders betroffene Länder sind nach wie vor Afrika und Asien.



Indikation für die Tollwutimpfung

In erster Linie ist eine Tollwutimpfung als Reiseimpfung relevant. Vor einer Reise, sollte man sich über das Tollwutrisiko im Zielland informieren und gegebenenfalls eine Impfung in Betracht ziehen. Insbesondere für tieraffine Erwachsene und Kinder ist eine Tollwut-Impfung empfehlenswert.
Aber auch für bestimmte Berufsgruppen, wie Veterinärmediziner, ist eine Indikationsimpfung gegen Tollwut sinnvoll.



Impfschema

Impfschema

Grundsätzlich werden zwei Impfmöglichkeiten unterschieden:

Präexponentiell
Eine Impfung sollte für folgende Personengruppen im Vorfeld profilaktisch durchgeführt werden.
  • Für Reisende vor Reiseantritt in ein Endemiegebiet,
  • für beruflich Exponierte (Veterinärpersonal inklusive Auszubildende, Tierpräperatoren, Tierpfleger, Tierhändler, Personal der Seuchenhygiene in Labors oder Impfstoffproduktionsstätten),
  • für Tierseuchenpolizisten
  • für Jäger und Forstpersonal in tollwutgefährdeten Gebieten,
  • für Fledermausforscher, Höhlenforscher und Fledermausliebhaber.
In Österreich, Deutschland und der Schweiz wird die Immunisierung gegen Tollwut mit einem Totimpfstoff mit Hilfe von drei Impfdosen durchgeführt. Dabei soll die zweite Dosis nach sieben Tagen, die dritte nach 21 bis 28 Tagen erfolgen. In der Schweiz wird noch eine vierte Dosis, zur Boosterung, nach zwölf Monaten gegeben. Dadurch können während zwei bis zehn Jahren Antikörper nachgewiesen werden.
In Österreich steht auch ein Schnellimpfungsschema für Erwachsene ab dem vollendeten 18. Lebensjahr zur Verfügung. Die zweite Impfdosis wird hierbei nach drei Tagen, die dritte nach einer Woche oder 28 Tagen gegeben. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Gabe von zwei Dosen im Abstand von sieben Tagen, bis zu mehreren Wochen. Auch eine intradermale Impfung, am linken und rechten Arm, bei der zwei Dosen am gleichen Tag gegeben werden, ist möglich.
Wenn weitere Reisen in tollwutgefährdete Ländern vorgesehen sind, sollte nach einem Jahr eine Auffrischungsimpfung erfolgen.
Eine routinemäßige Auffrischung ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Allerdings wird, egal zu welchem Zeitpunkt die Grundimmunisierung stattgefunden hat, eine situationsbezogene Auffrischung mit zwei Dosen am Tag null und am Tag drei, bei jedem tollwutverdächtigen Kontakt, durchgeführt.
Postexponentiell
Eine, nach bereits erfolgter Infizierung, durchgeführte Impfung, kommt nur mehr in Ausnahmefällen vor. Indiziert wird sie bei:
  • Verletzungen durch importierte und nicht ordnungsgemäß geimpfte und tierärztlich freigegebene Hunde oder andere Säugetiere aus Endemiegebieten,
  • Bisswunden, direkte Schleimhautkontakte, sowie andere Verletzungen durch Fledermäuse,
  • Kontakt mit Tieren in Ländern mit Tollwutrisiko.
Je nach Art des Kontaktes mit dem tollwutverdächtigen Säugetier gibt es verschiedene Empfehlungen für eine aktive Immunisierung. Diese Kontaktarten werden in drei Kategorien eingeteilt.
Kategorie I
  • intakte Haut
  • Berührung oder Ablecken der Haut von Tieren (z.B. beim Füttern)
  • Berühren von Impfködern
  • Kontakt mit Fledermäusen (kein Biss/Kratzer/Abrasion)
Kategorie II
  • unbedeckte / verletzte Haut
  • Belecken, Knabbern
  • kleinere Verletzungen, die nicht bluten
  • Kontakt mit Flüssigkeiten von Impfködern
Kategorie III
  • verletzte Haut / Schleimhaut
  • Bisshautverletzungen oder Kratzer
  • Schleimhautkontakt mit Speichel ( z.B. durch Ablecken)
  • Kontakt mit Fledermäusen, der zu sichtbarer Verletzung führt
  • Orale Aufnahme von Impfködern
  • Schleimhautkontakt mit Impfflüssigkeit
Wenn ungeimpfte Personen Kontakt der Kategorie II haben, sollte eine aktive Immunisierung folgen, bei Kontakt der Kategorie III wird eine passive Immunisierung, durch die Verabreichung von humanem Immunglobin, zusätzlich indiziert.
Bei Personen mit vollständiger Grundimmunisierung erfolgt nach Kontakt der Kategorie II und III je eine Impfung am Tag null und am Tag drei.
Gibt es einen Tollwutverdacht nach einer Bissverletzung, sollte diese sofort mit Wasser und Seife gereinigt und einem viruziden Desinfektionsmittel behandelt werden. Für eine aktive Immunisierung gibt es verschiedene Impfschemata. Nachfolgend zwei der gebräuchlichsten in Europa:
Schema Essen: Fünf Dosen, nach drei, sieben, 14 und 28 Tagen
Schema Zagreb: Vier Dosen, dabei zwei am ersten Tag, die dritte nach sieben Tagen, die vierte nach 21.

FAQs - Häufig gestellte Fragen zu Tollwut

  • Welche Symptome können bei Tollwut auftreten?

    Die Erkrankung verläuft üblicherweise in drei Phasen. Die erste Phase ist von Symptomen wie Schmerzen, Jucken oder Missempfindungen direkt im Bereich der Bisswunde gekennzeichnet. Dazukommen können Appetitlosigkeit und Fieber.

    In der folgenden Phase kommt es zu Verwirrtheit, Rastlosigkeit, einer Abwechslung von aggressivem Verhalten mit bewusstseinsklaren Phasen, Fieber, erhöhtem Speichelfluss, Schwitzen, Muskelzucken, erweiterten Pupillen und Gänsehaut. Zusätzlich kann eine Hydrophobie (Angst vor Wasser), sowie eine Aerophobie (Angst vor Zugluft) auftreten. Nach Krampfanfällen und dem Auftreten von schlaffen Paresen, kommt es am Ende zum Koma und durch Multiorganversagen zum Tod.

    In manchen Fällen zeigt sich zusätzlich in einer dritten Phase, noch eine sogenannte “stille Wut”. Es kommt schon sehr früh zu schlaffen Lähmungen, Schmerzen, Schwierigkeiten beim Schlucken, Gefühlsstörungen und Störungen des vegetativen Nervensystems (Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Verdauung). Am Ende tritt durch die Lähmung der Atemmuskulatur schließlich der Tod ein.

  • Wo kann man sich mit Tollwut anstecken?

    Das Risiko einer Ansteckung besteht vor allem für Reisende in Tollwutgebiete. Dazu gehören einige Teile Afrikas und Asiens. Aber auch in manchen Ländern Europas gibt es noch ein Tollwutrisiko.

    Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Kontakt mit tollwutinfizierten Tieren (streunende Hunde, Füchse, Fledermäuse,…). Daher sind tieraffine Menschen besonders gefährdet.

  • Sollte man sich gegen Tollwut impfen lassen?

    Eine Impfung gegen Tollwut sollten nicht nur Reisende in Endemiegebiete, sondern auch Veterinärpersonal, Tierpräperatoren, Tierpfleger, Tierhändler, Personal der Seuchenhygiene in Labors oder Impfstoffproduktionsstätten, Tierseuchenpolizisten, Jäger und Forstpersonal in tollwutgefährdeten Gebieten, sowie Fledermausforscher, Höhlenforscher und Fledermausliebhaber durchführen lassen.

  • Wird eine Tollwutimpfung vergütet?

    Die Vergütung der Tollwutimpfung muss individuell, mit den jeweiligen Kankenversicherungsträgern, abgeklärt werden.

Quellen

  • Quelle: Gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreich https://www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/reisemedizin/infektionskrankheiten/tollwut(17.05.2020)

  • Quelle Gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreich https://www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/impfungen/tollwut (17.05.2020)

  • Quelle: Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Uebertragbare-Krankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Tollwut.html (17.05.2020)

  • Quelle: Robert Koch Institut, rki.de https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html (17.05.2020)

  • Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/tollwut.html (17.05.2020)

  • Quelle: https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/i-und-b/richtlinien-empfehlungen/empfehlungen-spezifische-erreger-krankheiten/tollwut/tollwut-prae-postexpositionelle-prophylaxe-mensch.pdf.download.pdf/tollwut-prae-postexpositionelle-prophylaxe-mensch-de.pdf (17.05.2020)

  • Quelle: Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen/Impfplan-Österreich.html (17.05.2020)

Verfassungsdatum: 17.05.2020
Letzte Aktualisierung: 17.05.2020

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