Baby Stillen

Babynahrung: Was soll mein Kind das erste Jahr essen?

Früher oder später soll dein Baby neben Milch oder Brei auch “richtiges“ Essen bekommen - nur was? Und wie genau gewöhnst du dein Baby an etwas anderes als Muttermilch oder Säuglingsnahrung? Kann dein Baby von Anfang an alle Lebensmittel essen ohne Bedenken? Diese Fragen werden dir in diesem Artikel beantwortet. Wir geben dir eine Step-by-Step-Anleitung, wie du dein Baby an Beikost heranführen kannst und beschreiben, welche Nährstoffe dein Baby verstärkt braucht, welche Lebensmittel diese bieten und ob du deinem Baby Essen nur in Form von Brei oder auch einfach gewürfelt geben kannst. Auf geht’s!

Das erste Mal Beikost

Anfangs reicht Muttermilch oder, wenn nicht gestillt werden kann, Säuglingsnahrung für dein Baby als Ernährung aus. Ab dem 6. Lebensmonat braucht dein Kind allerdings mehr Energie und hat einen erhöhten Bedarf an Eisen, Zink, Vitamin B und Vitamin D. Diesen Bedarf kannst und sollst du durch die Einführung von Beikost decken. Wann dieser Zeitpunkt genau ist, hängt von der Entwicklung deines Kindes ab. Jedes Kind ist anders. Manche brauchen Essen in dieser Form bereits, wenn sie 5 Monate alt sind, andere erst, wenn sie 8 Monate alt sind. Wende dich dafür an eine/n Frauenarzt/ärztin oder eine/n Stillberater/in, um den Zeitpunkt genau zu ermitteln.

Woran erkenne ich, dass mein Kind bereit ist für Beikost?

Du willst wissen, ob du das auch eigenständig erkennen kannst? Im Grunde ja: Dein Baby ist so weit, wenn es das Essen nicht mehr ausspuckt!   Klingt im ersten Moment komisch, aber Babys haben einen Ausspuckreflex, der sich im Laufe des 5. oder 6. Monats zurückentwickelt. Andere Anzeichen sind: Die Zähne kommen durch oder dein Baby zeigt plötzlich Interesse am Essen anderer. Folgendes muss dein Baby auch noch können: Nur mit geringer Hilfe aufrecht sitzen und den Kopf selbst halten können. Das alles trifft zu? Dann kann es losgehen mit dem “richtigen“ Essen!

Wie führe ich mein Kind an Beikost heran?

Nun die Frage aller Fragen: Wie machst du das am besten? Die einfache Antwort: Schrittweise!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die österreichische Initiative “Richtig essen von Anfang an” (eine Kooperation zwischen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und dem Dachverband der österreichischen Sozialversicherungen) raten parallel zur Einführung der Beikost weiter zu stillen. So kann dein Baby neue Nahrung kennenlernen und wird gleichzeitig von den Immunstoffen der Muttermilch geschützt. Dadurch kannst du auch allergische Reaktionen deines Babys vermeiden. Falls du nicht stillen konntest/kannst, ist es wichtig, deinem Kind weiterhin Säuglingsnahrung zu geben. Zumindest in der Eingewöhnungsphase. Beachte auch, dass du deinem Kind das Essen nicht aufzwingst. Wenn es sich energisch gegen die Beikost wehrt, lass ihm Zeit und versuch es zwei Wochen später noch einmal. Das ist kein Wettlauf - wenn es nach 6 Monaten noch nicht so weit ist, dann eben nach 9 Monaten. Falls du Angst hast, dass etwas nicht stimmt, zögere nicht, dir ärztliche Beratung zu holen!

Wie mache ich das Step by Step?

Schritt 1: Im besten Fall stillst du dein Baby oder gibst ihm die Säuglingsnahrung zuerst.

Schritt 2: Nun ist die Beikost dran. Gib deinem Kind einen kleinen Löffel fein pürierter Beikost. Anfangs reichen neben den Still- oder Säuglingsnahrungsmahlzeiten 2-3 Teelöffel fein pürierter Beikost pro Tag.

Wieso nach der Mahlzeit? Weil es leichter ist für dein Kind, Essen zu üben und neue Lebensmittel auszuprobieren, wenn es nicht mehr hungrig ist.

Schritt 3: Warte nun die Reaktion ab. Sei geduldig mit dir und deinem Kind. Deinem Kind offenbart sich eine neue Welt - die Welt des Essens! Vor allem am Anfang wird dein Kind von all den Geschmäckern und auch von der neuen Konsistenz des Essens (z.B. der des Breis) überwältigt sein. Durchschnittlich muss ein Kind 10-16 Mal die Möglichkeit haben, ein neues Lebensmittel zu kosten, bis es das annimmt.  

Schritt 4: Mit der Zeit kannst du eine Still- oder Säuglingsnahrungsmahlzeit vollständig mit Beikost ersetzen. Je nachdem, wie gut dein Kind die Beikost annimmt, kannst du das schrittweise mit immer mehr Mahlzeiten machen.

Wie viele Monate oder Jahre du dir dafür Zeit nimmst, hängt ganz von dir ab. Die WHO rät grundsätzlich 2 Jahre lang neben der Beikost weiter zu stillen. Demnach würde dein Kind sich mit 2 Jahren ausschließlich von Lebensmitteln ernähren. Am besten du erstellst mit einem/r Stillberater/in deinen persönlichen, individuellen Plan.

Eine Umstellung für deinen Körper und dein Baby

Kleine Schritte in der Einführungsphase sind auch deshalb wichtig, weil sich die Verdauung und das Immunsystems deines Babys an andere Nahrung als Muttermilch gewöhnen muss. Falls du stillst, brauchen deine Brüste etwas Zeit, um sich darauf einzustellen, weniger Milch zu produzieren. Die Milchdrüsen bilden sich Schritt für Schritt zurück, sobald deine Brüste weniger entleert werden.

Wichtig: Wenn du von einem Tag auf den anderen aufhörst zu stillen, kann bei dir eine Brustdrüsenschwellung entstehen, deine Milchkanäle können blockieren oder du kannst eine Mastitis (Entzündung des Brustdrüsengewebes) entwickeln. Diese ist sehr schmerzhaft und kann mit ein paar Tipps vermieden werden. Lies dazu unseren Artikel: “Richtig abstillen”

Was soll mein Kind das erste Jahr essen?

Da wir nun wissen, WIE dein Kind an Essen herangeführt werden soll, schauen wir uns an, WAS es genau braucht. Dazu gehen wir zuerst darauf ein, welche Nährstoffe vor allem im ersten Jahr wichtig sind. Danach beschreiben wir, ab wann dein Baby auch Nicht-Püriertes essen kann. Natürlich schauen wir uns auch an, welche Lebensmittel geeignet sind und welche nicht.  

Diese Nährstoffe braucht dein Baby unbedingt

Egal, ob du Babynahrung fertig kaufst oder Babybrei selbst machst - folgende Nährstoffe müssen unbedingt enthalten sein:

Nährstoff Lebensmittel, in denen der Nährstoff vorkommt
Eisen und Zink Eisen- und zinkreiche Lebensmittel sind Fleisch (Rind, Kalb, Schwein), Getreide und Hülsenfrüchte. Am besten isst dein Kind diese mit Vitamin C-reichem Obst und Gemüse, wie Beeren, Brokkoli oder Orangen. Mit Vitamin C kann Eisen leichter aufgenommen werden.
Eiweiß Dein Baby braucht täglich Eiweiß. Dieses ist in Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten oder Eiern enthalten. Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs ist Folgendes optimal: 1-2 mal die Woche Fisch, max. 3 mal die Woche Fleisch und Wurst, pro Woche bis zu 3 Eier, täglich Milch, Joghurt, Topfen oder Käse. Wenn du dein Kind vegetarisch oder vegan ernähren willst, konsultiere am besten eine Ernährungsberaterin. Sie kann dir helfen, einen alternativen Ernährungsplan für dein Baby zu erstellen.
Fett – v.a. hochwertige Öle Getreide

Im Großen und Ganzen kannst du dich für eine gesunde Ernährung deines Babys an der Österreichischen Ernährungspyramide orientieren. Es soll also viel trinken, viele pflanzliche Lebensmittel zu sich nehmen, etwas tierische Produkte auch und ganz wenig Fettiges oder Süßes.  

Konsistenz: Brei oder reicht gewürfelt?

Fein pürierte Lebensmittel eignen sich besonders für den Anfang. Dein Baby kann sich so an die Konsistenz von etwas Festerem als der Muttermilch gewöhnen. Mit der Zeit kannst du deinem Kind bereits etwas grober pürierte Nahrung zum Probieren geben. Um den 1. Geburtstag herum sollte dein Baby klein geschnittenes, gewürfeltes und gehacktes Essen kauen und verdauen können. Folgende Tabelle kannst du als Orientierung heranziehen:

Beikostbeginn (nicht vor dem 5. Monat) Gedünstete, fein pürierte Lebensmittel (z. B. Fleisch, Gemüse, Obst etc.)
6-9 Monate Auflösbare Nahrungsmittel (z. B. Flocken), Breie fester Konsistenz, grob pürierte Nahrungsmittel (z. B. zerdrückte Banane), feste Nahrung in geriebener Form (z. B. Apfel)
10-12 Monate Feste Nahrung klein geschnitten, gewürfelt, gehackt (z. B. Familienkost, Obst, Gemüse etc.)

*Dies sind die Empfehlungen der Initiative “Richtig essen von Anfang an” (REVAN).  Es ist ein Programm, das seit 2008 eine Kooperation zwischen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und dem Dachverband der österreichischen Sozialversicherungen ist.

Kann das mein Kind essen?

Wahrscheinlich stellst du dir auch bei bestimmten Lebensmittel die Frage, ob dein Kind diese bereits im ersten Lebensjahr zu sich nehmen darf. Wir schauen uns das hier genauer an.

Anmerkungen
Fisch Fisch immer sorgfältig von den Gräten befreien und ausreichend erhitzen (70 – 80° C über zehn Minuten). Bieten Sie keine rohen oder möglicherweise schwermetallbelasteten Fische (z. B. Thunfisch, Hecht, Heilbutt oder Schwertfisch) an. Gut eignen sich Saibling, Lachs und Forelle. Es gibt Hinweise darauf, dass der Fischkonsum des Kindes im 1. Lebensjahr vor allergischen Erkrankungen schützen kann.
Fleisch Fleisch eignet sich für dein Kind gut, sollte aber nicht öfter als 3 mal die Woche gegessen werden. Meide allerdings Innereien, die sind zwar reich an Nährstoffen und einfach zu verdauen, haben aber oft einen hohen Gehalt an Gift- und Fremdstoffen. Koche das Fleisch immer, brate es nicht an.
Gemüse Als erstes Gemüse eignen sich Karotte, Kürbis, Pastinake - gekocht und püriert. Weiters gut für den Anfang: Kohlrabi, Fenchel, Spargel, Zucchini, Zuckererbsen, Kartoffel - gedünstet und püriert. Vermeide Mangold, Rote Beete, Radieschen und Rettich aufgrund des hohen Nitratgehalts.
Eier Hühnereier enthalten viel Eiweiß und Zink und die kannst du sorgenlos im ersten Lebensjahr deinem Baby geben. Achte darauf, dass sie gut gekocht werden (70 – 80 °C über zehn Minuten).. Auch hier gilt mit Maß und Ziel, denn täglich ein Ei ist zu viel.
Nüsse/Samen/Körner Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Nüssen und Erdnüssen im ersten Lebensjahr das Risiko für Allergien nicht erhöht. Nüsse sind dennoch ab dem 2. Lebensjahr zu empfehlen, denn sie enthalten wertvolle Nährstoffe, dein Kind kann sich aber leicht an ihnen verschlucken.
Glutenhaltiges Getreide Kleine Mengen an glutenhaltigem Getreide (Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern und Khorasan Weizen) schaden nicht. Falls dein Kind Zeichen einer Unverträglichkeit zeigt, such sofort einen Arzt/eine Ärztin auf. Am Anfang sollten laut der Initiative “Richtig essen von Anfang an” pro Tag nicht mehr als 7 g glutenhaltige Getreideprodukte gegeben werden. Das wären zum Beispiel eine halbe Scheibe zuckerfreier Zwieback oder ein kleines Stück Brot (10 g), 1 Esslöffel gekochter Teigwaren, 1 gehäufter Teelöffel Mehl oder Grieß und 1 Esslöffel Flocken. Wenn sich dein Baby daran gewöhnt, kannst du ihm schrittweise mehr geben. Generell eignet sich folgendes Getreide für den Anfang: Reis, Hirse und Hafer sind leicht verdaulich. Hafer hat zudem viel Eisen. Biete ihn in Form eines Breis an und am besten gekocht, dann ist er besser verdaulich für dein Baby.

FAQs - Häufig gestellte Fragen zu diesem Thema

Wann ist mein Baby bereit für Beikost?

Dein Baby ist so weit, wenn es das Essen nicht mehr ausspuckt! Babys haben einen Ausspuckreflex, der sich im Laufe des 5. oder 6. Monats zurückentwickelt. Andere Anzeichen sind: Die Zähne kommen durch oder dein Baby zeigt plötzlich Interesse am Essen anderer. Folgendes muss dein Baby auch noch können: Nur mit geringer Hilfe aufrecht sitzen und den Kopf selbst halten können.

Welche Lebensmittel kann mein Kind im ersten Jahr essen und welche nicht?

Bis auf einige Ausnahmen, kannst du deinem Kind alle Lebensmittel verabreichen. Ausnahmen sind: Kuhmilch; Honig; viel Salz oder Zucker; kleine harte Lebensmittel wie Erdnüsse; rohe tierische Produkte wie Fisch, Fleisch oder Eier. Bei Gemüse vermeide: Mangold, Rote Beete, Radieschen und Rettich. Vermeide auch folgende Fischarten: Thunfisch, Hecht, Heilbutt oder Schwertfisch. Saibling, Lachs und Forelle eignen sich hingegen gut.

Kann ich mein Baby vegan oder vegetarisch ernähren?

Offizielle Institutionen wie die WHO oder die Initiative “Richtig essen von Anfang an” raten von veganer Ernährung des Babys ab. Wenn du dein Kind vegetarisch oder vegan ernähren willst, konsultiere am besten eine/n Ernährungsberater/in. Sie kann dir helfen, einen alternativen Ernährungsplan für dein Baby zu erstellen.

Quellen

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